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Dies ist also unser Blog…

Nachdem mir jetzt schon mehrfach gesagt wurde, dass die Rundmails so schön zu lesen sein, und auch der Vorschlag kam, das öffentlich zu machen, folgt hier mal ein erster in kürze ein erster Versuch, und zwar zum Thema Chicoree

11. April 19

Die ersten Tomaten!

Ein großer Schritt auf dem Weg zum Sommer und seinem Gemüsereichtum ist für mich immer das Pflanzen der ersten Tomaten und Gurken… und weil ich es kaum erwarten kann, habe ich diese Woche schon die ersten Tomaten gepflanzt. Das ist in einem ungeheizten Haus schon etwas früh, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt… und freut ihr euch nicht auch schon auf die ersten leckeren Früchte?

 Darum habe ich am Montag von Sigi Klein, einem Biogärtner bei Dachau, der für mich viele Jungpflanzen macht, die ersten 45 Pflanzen der Sorten „Schönhagener Frühe“ und „Trixi“ geholt. Beim einpflanzen der jungen Tomaten habe ich dann einiges an Mut zusammen genommen. Entgegen jeder Lehrmeinung habe ich nämlich den Boden nicht vorher bearbeitet und gelockert, sondern einfach in überwinterte Bestände von Postelein und Asiasalat gepflanzt. 

So sah der Asiasalat vor dem Pflanzen aus
Wunderbar krümeiliger, lebendiger Boden
In den Kisten sind übrigens Kartoffeln am Vorkeimen
Etwas Kompost als Zuckerl für Pflanze und Boden

Wenn ihr euch das linke Bild anseht, versteht ihr vielleicht warum. Der Boden unter den Pflanzen war ganz wunderbar krümelig. Er war nämlich das ganze letzte Jahr so gut wie immer bewachsen und durchwurzelt, und das schafft eine tolle Bodenstruktur, denn es sind die Pflanzen, die das Bodenleben ernähren und sich so den Boden fruchtbar machen, wenn sie ungestört wachsen können…. denkt mal an einen schönen Waldboden oder die Erde in einer Hecke, über so eine Bodenstruktur würde sich jeder Bauer nur freuen! Und genau die hätte ich mit einer Maschinellen Lockerung hier wieder kaputt gemacht. Aber so mit der Natur zu arbeiten und es anders zu machen, als 99,9% der Kollegen, hat mich trotzdem etwas Überwindung gekostet. 

Die Salate hatte ich vor drei Wochen noch einmal beerntet, die sind aber sehr schnell wieder ausgetrieben und haben gleich zu blühen angefangen. Das habe ich mit der Motorsense abgemäht und bildet jetzt eine erste Schicht Bodenbedeckung. Für die Tomaten habe ich jeweils einen Spaten Erde ausgehoben, etwas Kompost als Startdünger hineingegeben und die Tomaten drauf gesetzt. Die Salate werden mit Sicherheit wieder weiterwachsen. Im Moment sind die Tomaten noch so klein, dass sie diese Konkurrenz nicht stört, aber in etwa drei bis vier Wochen werde ich die Beete dann mit Grasschnitt mulchen und damit die Salate ersticken. Vielleicht kann ich vorher ja sogar noch etwas ernten…

Auf den meisten übrigen Beeten wachsen jetzt noch Kohlrabi, Radi Frühlingszwiebel, Salat und mehr, die bis zur Ernte noch auf sich warten lassen. Trotzdem will ich schon in zwei Wochen mit Gurken, Tomaten, Paprika und Auberginen auf diese Flächen. Auch hier werde ich also direkt in den Bestand pflanzen. Das ist dann nicht nur gut für den Boden, sondern auch für all die Ungeduldigen, die nicht so lange auf Gurken und Co warten wollen!

So sieht das aus der Nähe aus. (Der Marienkäfer wollte mit aufs Bild)
Fertig, mein kleiner Helfer räumt auf
2. April 2019

Chicoreé

Letzte Woche gab es endlich Chicoreé! Um diese Jahreszeit übrigens eines meiner Lieblingsgemüse!

Aber habt ihr euch schon mal gefragt, was es mit diesem Gemüse auf sich hat? Bleich , spitz und irgendwie seltsam, wächst scheinbar den ganzen Winter über, aber wo eigentlich?

Um das aufzuklären, erstmal etwas in der Zeit zurück:

Chicoreé stammt eigentlich von der Wegwarte, dieser schönen blauen Blume am Wegesrand, ab. Deren Wurzeln wurden früher geröstet und gemahlen als Kaffeeersatz verwendet. Vermutlich wurden diese nun, in Belgien übrigens, in einem Keller in Sand eingeschlagen, gelagert, und sind ausgetrieben. Der Besitzer, nach frischem Gemüse gelüstend, mag sie probiert und gut befunden haben…. ein neues Gemüse wurde also entdeckt.

Hier sind also schonmal zwei Geheimnisse gelüftet:

  1. Der Spross treibt aus einer Wurzel
  2. Er tut das im dunkeln.

Natürlich wurde seither viel Züchtungsarbeit und Entwicklungsarbeit betrieben, aber im Prinzip funktioniert das heute noch genauso.

Die ersten Schritte, auf dem Weg zu dem Chicoree, den ihr vielleicht heute gerade esst, habe ich schon am 15.5.2018 gemacht. Da habe ich nämlich die kleinen Samen ausgesät, und dann das ganze Jahr über, ähnlich wie gelbe Rüben gehegt und gepflegt. Erst Anfang November waren die Wurzeln reif, und konnten, ohne Laub, geerntet werden.

Diese habe ich dann bis ins neue Jahr gelagert und dann, am 2. Januar „aufgestellt“. In eine Wanne habe ich etwas Sand gegeben, und die Wurzeln darin aufrecht, dicht an dicht, rein gestellt. Das ganze in einem dunklen Keller. Trotzdem sicherheitshalber noch ein paar Tücher drüber… Die Sprosse die jetzt langsam treiben, würden nämlich sehr, sehr bitter werden, wenn sie grün werden. Aber dazu bräuchte es eben Licht….

Nun hat es also nochmal fast drei Monate gedauert, bis die Sprosse groß und voll und schön zum ernten waren. Ab und zu habe ich mit warmen Wasser gegossen, um das Ganze etwas anzuschieben. Am 29. März war es dann soweit. Die Sprosse werden nur noch von den Wurzeln gebrochen und ein wenig geputzt, fertig ist der Chicoreé…

Im herkömmlichen Anbau dauert das Treiben aus der Wurzel übrigens nur 3 Wochen, hier stehen die Wurzeln in fließendem Wasser, das auf etwa 22° Celsius geheizt wird. Das langsamere Wachsen bringt aber gesündere Sprosse hervor, die auch noch besser schmecken!

Hier noch ein paar Bilder:

Hier eine ganze Pflanze bei der Ernte
Zwei Wochen nach dem Aufstellen
Endlich der fertige Chicoree!